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Aug 16
Sunday
Sakyong and Family
„Anderen zu helfen, macht mich glücklich“

Interview mit Semo Tseyang Palmo

Die Hochzeit des Traumpaars Khandro Tseyang und Sakyong Mipham, dem Sohn von Trungpa Rinpoche, ist vielen Buddhisten noch in lebhafter Erinnerung. Meta Märtens unterhielt sich mit der tibetischen Prinzessin über das Aufwachsen in einer hoch angesehenen buddhistischen Familie und die Aufgaben einer Sakyong Wangmo in der Shambhala-Tradition.

Click here to read the English translation.

Khandro Tseyang, Sie stammen aus einer sehr alten tibetischen Familie, die nach der Flucht aus Tibet in Südindien und Nepal für Exiltibeter ein neues Zuhause geschaffen hat. Ihr Vater gilt als lebender Regent von König Gesar, dem erleuchteten Krieger und König von Tibet. Wie sind Sie aufgewachsen?

Khandro Tseyang and her father, Namkha Drimed Rinpoche, at the Rinchen Terdzo in Orissa, India

Khandro Tseyang and her father, Namkha Drimed Rinpoche, at the Rinchen Terdzo in Orissa, India

Ich wurde in Orissa als jüngste Tochter von Seiner Heiligkeit Terton Namkha Drimed Rinpoche – dem Oberhaupt der Ripa-Familie – und seiner Frau Sangyum Chime Dolkar geboren. Mein Vater ist der sechste Thronhalter der erblichen Ripa-Linie und der Ripa-Klöster. Im Alter von zwölf Jahren hatte er die ersten Visionen von Padmahambhava und König Gesar. Seither hat er viele „Termas“ (verborgene Schätze) offenbart, die später zum neuen Zyklus des tiefgründigen Pfades – unter dem Namen „Der Schatz der erleuchteten Absicht des wunscherfüllenden Juwels“ – zusammengefasst wurden. Die Belehrungen dieses Pfades vermitteln dem Praktizierenden Kraft, Weisheit und ein Wissen, wie die Ängste und das Elend des heutigen Lebens aufgelöst werden können.

Mein Vater gehört zu den lebenden „Tertöns“ (Terma-Entdeckern) unserer Zeit, und er ist von vielen, so auch von S. H. dem Dalai Lama und S. H. Dilgo Khyentse Rinpoche als lebender Repräsentant von Padmasambhava und König Gesar hoch angesehen. Die Ripa- Übertragungslinie ist eine spirituell sehr kraftvolle Tradition, die die Nyingma- und Kagyü-Linie des tibetischen Buddhismus vereint.

Meine Familie ließ sich nach der Flucht aus Tibet in der indischen Provinz Orissa nieder. Dort leben jetzt über 5000 Exiltibeter und dort wurde auch das neue Ripa-Kloster Thupten Mindrolling gegründet.

Ich habe zwei Brüder, Gyetrul Jigme Rinpoche – er ist der spirituelle Thronfolger der Ripa-Dungdud-Abstammungslinie – und Lhunpo Tulku Rinpoche, sowie drei Schwestern, Semo Sönam, Semo Pede und Semo Palmo.

Der Buddhismus lehrt uns, die Kostbarkeit der menschlichen Geburt zu schätzen. Ich bin sehr dankbar dafür und verstehe es als großes Glück, in einer buddhistischen Familie aufgewachsen zu sein, wo Praxis selbstverständlich zum Alltag gehörte. Schon sehr früh wurde ich von meiner Großmutter angehalten, Dharma-Texte zu lesen. Sie brachte mir auch tibetische Kaligrafie bei. Meine Großmutter – Mayum Palden Tsomo – war eine fortgeschrittene Dzogchen-Praktizierende und Enkelin der in Tibet sehr geehrten Yogini Drubwand Shakaya Shri.

Seit meiner frühen Kindheit waren die Frauen in meiner Familie meine Vorbilder. Meine Mutter gilt als Emanation der Roten Tara, ihre Weisheit, ihre Freundlichkeit und ihr Mitgefühl für andere haben mich sehr inspiriert. Vor allem aber lehrte mich die unermüdliche Großzügigkeit meiner Großmutter, die Magie echten Bodhisattva-Handelns zu entdecken. Als ich noch jünger war, wunderte ich mich oft darüber, dass meine Großmutter niemals müde wurde, sich um andere zu kümmern. Und dann erkannte ich, dass sie sehr viel Zufriedenheit und Glück zurückbekam. Ich begriff, dass anderen zu helfen, glücklich macht. Meine Großmutter lehrte mich, ohne Erwartungen zu helfen. Dann bekommt man etwas sehr Kostbares zurück.

Khandro-la, welche Ausbildungen haben Sie erhalten?

Mit neun Jahren kam ich zusammen mit meinen Schwestern auf eine englische Schule in Darjeeling. Tagsüber ging ich zur Schule und abends studierte ich tibetische Texte mit meiner Großmutter. Meine Eltern legten bei meiner Erziehung viel Wert darauf, die Balance zwischen moderner Schulausbildung und der Wahrung tibetischer Traditionen zu halten. Deshalb wurde ich im Rahmen des von meinem Vater gegründeten Lingdro-Tanzensembles in den traditionellen Gesar von Ling-Tänzen ausgebildet. Zu meiner spirituellen Ausbildung gehören die Vollendung des „Ripa Ngöndros“ (vorbereitende Übungen) sowie – natürlich auch irgendwie familienbedingt – eine Vielzahl von „Abishekhas“ (Einweihungen). Ich spreche fließend Tibetisch, Englisch, Hindu, Nepalesisch und Dzongkha, die Amtsprache Buthans.

Ich praktiziere jetzt jeden Morgen. Wenn ich nur wenig Zeit habe, die Tara- oder Guru-Rinpoche-Praxis, wenn die Zeit es erlaubt, umfassen meine tägliche Übungen die Tara-, Yeshe-Tsogyal-, Guru-Rinpoche- und Gesar-Praxis. Schon als Heranwachsende lernte ich: Egal welche Praxis du übst, du musst sie anwenden. Sonst ergibt das alles keinen Sinn, es hilft nicht. Du hörst den Belehrungen zu, du übst, aber wenn du deine Übungen nicht mit deinem täglichen Leben verbindest, dann bringt es keinen Nutzen. Wenn du dich bemühst, deinen Geist bei ganz alltäglichen Dingen, vor allem aber in Situationen, die dich herausfordern, in der Praxis zu halten, dann macht das einen großen Unterschied und ist immer wertvoll.

Welche Aufgaben haben Sie als Erwachsene im Rahmen Ihrer Familie übernommen?

Ich begann unter anderem, mich um das Wohlergehen der Mönche in Rigon Tashi Choeling zu kümmern, einem Kloster, das mein Vater in Pharping (Nepal) gegründet hatte. Und das tue ich immer noch. Viele der Mönche dort sind noch sehr jung und brauchen Hilfe, um gesund leben zu können und sich spirituell zu entwickeln. Zu ihrer Unterstützung hat meine Familie die Ripa Ladrang Foundation gegründet, denn fast alle Mönche stehen ohne familiäre Unterstützung da. Derzeit leben dort 97 junge Mönche, von denen der größte Teil einen Sponsor benötigt. Ich bemühe mich, Sponsoren zu finden. Heranwachsende Mönche materiell zu unterstützen, hält eine – seit Buddhas Zeiten praktizierte – Tradition am Leben, die alle Jahrhunderte hindurch lebendig geblieben ist. Die Großzügigkeit der Gebenden trägt dazu bei, dass Studium und Praxis des Dharma am Leben gehalten werden und die Gebenden, wie wir Buddhisten sagen, Verdienst ansammeln.

Ich habe meinen Vater bei seinen Reisen in den Westen begleitet und als Übersetzerin gearbeitet. Und einen Teil meiner Zeit widmete ich mich meinem Bruder Gyetrul Jigme Rinpoche, der quasi als „Juniorchef“ der Übertragungslinie das Ripa-Kloster sowie die zu uns gehörenden Gemeinschaften in Indien und Nepal beaufsichtigt und leitet. Er hat verschiedene humanitäre Hilfsprojekte ins Leben gerufen, zum Beispiel das Phuntsoling-Trinkwasserprojekt, ein Patenschaftsprojekt für Schüler und Schülerinnen. Dank dieser Projekte hat sich das Wohlergehen sowohl der tibetischen Flüchtlinge in der Region als auch der benachbarten indischen Dörfer verbessert.

Mein Bruder ist – so sagt man heute wohl im Westen – ein sozial engagierter Buddhist. Ich habe bei diesen Reisen in westliche Länder viel gelernt. Jigme Rinpoche hat im Westen Vereine mit den Namen Padma Ling und Ripa gegründet. Er versteht es, den Dharma mit Offenheit und Humor zu vermitteln, und seine Belehrungen enthalten lebendiges Wissen für unsere Zeit. Es gelingt ihm, zeitlose buddhistische Weisheiten mit dem Verständnis der modernen Welt zu verbinden. Durch ihn und meinen Vater habe ich Menschen, die im Westen praktizierten, und ihr Denken kennen gelernt.

Als Mitglied des Lingdro-Tanzensembles lernten Sie schließlich Sakyong Mipham Rinpoche, den Sohn von Chögyam Trungpa Rinpoche kennen. Wie kam das?

Khandro Tseyang Leading the Gesar Dance at Namdroling Monastery

Khandro Tseyang Leading the Gesar Dance at Namdroling Monastery

S. H. Penor Rinpoche hatte uns 2005 – ursprünglich zum dritten Tag des tibetischen Neujahrsfestes – ins Namdroling-Kloster in Mysore in Südindien eingeladen, um den kompletten Zyklus der Gesar Tänze aufzuführen. Aber wir konnten nicht kommen, weil wir in Orissa auftraten und reisten später an. Der Bruder meines Vaters Dungsay Karma Shedrub führte uns Tänzer an. Vor Ort waren insgesamt fünf Mitglieder meiner Familie. Die Aufführungen dauerten zwei Abende. Sakyong Mipham erhielt damals gerade wieder Belehrungen von Penor Rinpoche und saß am zweiten Abend als dessen Gast mit im Publikum.

Als wir hörten, dass der Sohn Trungpa Rinpoches zu den Zuschauern gehörte, wurden wir sehr aufgeregt, denn mein Vater und Trungpa Rinpoche teilten in Tibet die enge Verbindung zu Gesar von Ling. Ich hatte zwar davon gehört, dass Sakyong Mipham der Tulku von Ju Mipham Rinpoche (dem Großen) war, aber ich kannte ihn nicht persönlich. Am Tag nach der Aufführung erhielten wir eine sehr formell ausgesprochene Einladung zum Tee, komplett im Stil tibetischer Traditionen. In dem Moment, als ich Rinpoche sah, fühlte ich eine sehr starke Verbindung zu ihm. Er sah – als Mann – nicht nur gut aus, wir waren vor allem von seiner Präsenz sehr angetan. Und ich fühlte totalen Frieden, Entspannung und eine tiefe Ruhe. Es war ein wunderbares Treffen, wir beide fühlten uns sehr zueinander hingezogen und verabredeten, im Telefonkontakt zu bleiben.

Sie haben Sakyong Mipham Rinpoche dann ziemlich schnell geheiratet.

Ja, im April hielt Rinpoche offiziell um meine Hand an. Wir trafen uns in Amerika, im Haus meiner Schwester Semo Palmo, die dort mit ihrem Mann Alan Goldstein lebt. Insgesamt fanden dann drei Hochzeitszeremonien statt, eine standesamtliche Trauung in Bolder, Colorado, dem amerikanischen Wohnsitz von Sakyong Mipham, eine weitere Zeremonie im Rahmen der Shambhala-Gemeinschaft im kanadischen Halifax und eine letzte in meiner tibetischen Heimatgemeinde in Orissa. Der Shambhala-Sangha und der Ripa-Sangha – beide wollten die Freude über unsere Heirat mit uns teilen. Und so fanden eben drei Zeremonien statt. Jede war ein Erlebnis für sich.

Und wie sieht Ihr Ehealltag aus?

Wir genießen die Zeit, die wir miteinander verbringen können, wie jedes ganz normale Paar auch. Wir mögen es sehr, einfach miteinander zu sein. Rinpoche hat viele Lehrverpflichtungen. Ich begleite ihn nach Möglichkeit und lernte – und lerne immer noch – die Shambhala-Gemeinschaft kennen. Rinpoche schätzt es sehr, dass er in mir eine Gefährtin hat, die im Dharma aufgewachsen ist, mit der er über alles sprechen kann und die ihn im Umgang mit seinen Schülern unterstützt. Ich liebe es, mich mit ihm auszutauschen, mit ihm spazierenzugehen oder Sport zu treiben oder einfach Musik zu hören. Musik spielt in unser beider Leben eine große Rolle. Und ich habe entdeckt, dass Rinpoche gern und gut für mich kocht.

Es fühlt sich so an, als ob wir uns schon immer gekannt hätten. Die Wege unserer beiden Familien haben sich immer wieder gekreuzt. Es macht uns viel Freude, dies gemeinsam zu entdecken. Mein Bruder Jigme Rinpoche und Sakyong Mipham Rinpoche sind Freunde geworden, und mein Vater Namkha Drimed Rinpoche gibt die Gesar-Belehrungen jetzt auch im Rahmen des Shambhala-Mandalas weiter.

Im August 2008 wurden Sie von S. H. Penor Rinpoche in Halifax zur Sakyong Wangmo1 ernannt. Was bedeutet dieser Titel und welche Aufgaben sind mit ihm verbunden?

In Tibet haben wir verschiedene Traditionen, einige sind klösterlich, andere sind Familienlinien. Die Shambhala-Tradition ist eine Familientradition, und der Titel „Sakyong“ beziehungsweise die weibliche Form „Sakyong Wangmo“ sind mit dieser Linie verbunden.

Die Shambhala-Lehre geht vom grundlegenden Gutsein aus, das jedem Menschen – quasi als Geburtsrecht – innewohnt. Im Rahmen der Shambhala-Sichtweise sind der Sakyong und die Sakyong Wangmo Repräsentanten dieser erwachten Qualitäten, die jeder Mensch entdecken kann.

Unter dem Aspekt des offenen Raums – aus dem alles entsteht – verkörpern der Sakyong und die Sakyong Wangmo die männliche und die weibliche Energie. Jeder Mensch trägt beide Energien in sich. In der Shambhala-Lehre wird die männliche Energie auch Vaterlinie genannt und mit dem Begriff Furchtlosigkeit umschrieben. Der weiblichen Mutterlinie werden die Aspekte von Sanftheit und Frieden zugeordnet.

Konkret übersetzt bedeutet der Titel Sakyong Wangmo „Erdbeschützerin“ oder „Machtvolle Dame“. Für mich bedeutet dies, durch klare Kommunikation und Geduld für Gerechtigkeit einzutreten und für ein mitfühlendes und friedvolles menschliches Miteinander zu sorgen. Dazu gehört für mich auch, darauf zu achten, dass Sakyong Mipham Rinpoche gesund lebt, damit er seinen Schülern noch lange Belehrungen geben kann. Als Sakyong Wangmo bin ich Halterin einer Familienlinie, die bis auf Gesar von Ling zurückgeht. Zur Familientradition gehört, dass wir Kinder bekommen.

Khandro-la, herzlichen Dank für Ihre Zeit und für dieses Gespräch.
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Meta Märtens ist Schülerin von Sakyong Mipham Rinpoche und lernte Khandro Tseyang 2007 kennen. Sie verbrachte 2008 einige Zeit im Haushalt von Sakyong Mipham und Khandro-la in Köln und in Frankreich. Sie führte das Interview mit Semo Tseyang Palmo im November 2008 in Köln für Buddhismus aktuell.

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1 response to “ „Anderen zu helfen, macht mich glücklich“ ”
  1. Sabine Putze
    Aug 19, 2009
    Reply

    Fein, dass es diesen guten Artikel auch Deutsch gibt


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